Moderatorin, Journalistin, Reporterin, Podcasterin und Social Media Star – Aminata Belli erobert seit Jahren kleine und große Bildschirme und Podcastchannels im Sturm und ist, was man gemeinhin als einen crossmedialen Tausendsasa bezeichnen könnte. Da grenzt es beinahe an ein Wunder, dass wir die lebenslustige Hamburgerin in Berlin vor
unsere Kamera bekommen haben.
Dass Aminata einmal vor der Kamera stehen wollen würde, war der heute 32-Jährigen schon früh bewusst. Anfangs war es die Liebe zur Mode, die sie antrieb und schon im zarten Alter von 13 Jahren war ihr klar: Sie wollte Modejournalistin werden.
Bei so viel Zielstrebigkeit ist es nicht verwunderlich, dass Aminata gerade eine schillernde Karriere hinlegt. Mit dem Job in der Moderedaktion hat es übrigens geklappt, doch hängte sie diesen 2017 wieder an den Nagel, als ihre Karriere vor der Kamera durch die Decke ging.
Mut gehört also sicher auch zu Aminatas prägendsten Charaktereigenschaften und so schreckt sie mit Neugier und Empathie auch nicht vor kritischen, gesellschaftlichen Themen zurück. 2021 wurde sie von Forbes in die Hall of Fame der 30 einflussreichsten Menschen unter 30 aufgenommen. Im gleichen Jahr gewann sie für das Format 'follow me.reports' von Funk den Förderpreis des deutschen Fernsehpreises.
Doch das sollte nur der Anfang sein: Heute ist Aminata als Moderatorin in zahlreichen Talkshows, Fernsehreportagen, Preisverleihungen und Podcasts zu sehen und zu hören und haut mit ihrer authentischen Natürlichkeit und ihrem offenen Wesen Zuschauer- und Zuhörer:innen jeden Alters vom Hocker.
Liebe Aminata, es war gar nicht so einfach, Dich hier vor unsere Kamera zu kriegen. Kein Wunder bei Deinem Terminkalender. Aber meine Mutter hat mich motiviert dranzubleiben, weil sie Dich so toll findet.
Awww, das ist wirklich süß und freut mich ungemein. Ich bin auch froh heute hier zu sein. Das Shooting hat total viel Spaß gemacht.
Und das sieht man! Du hast selbst Modejournalismus studiert. Was ist Dein heutiges Verhältnis zur Mode?
Früher war es mein größter Traum bei einem Modemagazin zu arbeiten. Ich wollte von Fashion Show zu Fashion Show reisen und darüber schreiben. Ich habe mir den Wecker gestellt, um die großen Schauen zu streamen und mitzuverfolgen. Jeden Tag habe ich mir mit viel Freude Gedanken über meine Outfits gemacht und mich wahnsinnig gern gestylt. Heute ertappe ich mich im Alltag dabei, wie ich die Freude an Mode verliere, weil ich mich sehr oft für Anlässe – also für meine Arbeit anziehen muss. Privat denke ich jetzt eher praktisch. Es gab auch Phasen, da war mir Mode einfach zu oberflächlich. Doch wenn man genau darüber nachdenkt, ist sie das eigentlich gar nicht. Ich mache sogar einen Podcast für den bayerischen Rundfunk der heißt ICONIC – Modegeschichte mit Aminata Belli. Da schließt sich der Kreis zu meinem Modejournalismusstudium. Bei Shootings oder vor Shows entflammt dann meine Liebe für die Mode doch immer wieder neu. Dann merke ich, wie sehr ich es eigentlich liebe, mich durch Mode auszudrücken.
Wie wählst Du die Looks für Deine Auftritte?
Recht spontan, nach Lust und Laune. Ich nehme oft viele Outfits mit zu einer Show und schaue dann vor Ort, wonach ich mich in dem Moment fühle.
Ich komme, ehrlich gesagt, gar nicht mehr hinterher, was Du alles machst. Erzähl' doch mal: Was sind Deine aktuellen Projekte?
Gerade arbeite ich mit einem großartigen Team an einer Dokureihe für das ZDF, die heißt Kiez und Knete – unterwegs mit Aminata Belli. In der Show treffe ich Menschen, mit denen ich über Geld spreche. Das sind Leute, die armutsbetroffen sind, aber auch solche, die in Wohlstand und Reichtum leben.
Außerdem mache ich die follow me.reports, ein interaktives Reportageformat von Funk, in dem ich unterschiedlichste Menschen einen oder mehrere Tage begleite und in ihre Lebensrealität eintauche. Und ich moderiere Deep & deutlich eine Talkshow des NDR, die im Fernsehen und in der Mediathek gezeigt wird. Zudem arbeite ich gerade parallel an zwei Podcast-Projekten. Ansonsten moderiere ich viele Lifeevents und Awardshows. Ich liebe es, mit Live-Publikum zu arbeiten. Wenn man auf der Bühne steht und mitbekommt, wie das Publikum reagiert, das macht sehr viel Spaß.
Bei 'Kiez und Knete' wirst Du sehr stark mit sozialer Ungerechtigkeit konfrontiert. Was löst das in Dir aus und wie gehst Du damit um?
Das Schöne an meinem Job ist, dass ich sehr nah an die Leute und ihre Geschichten herankomme. Dadurch habe ich ein anderes Verständnis für die Menschen und Situationen, als ich es vielleicht hätte, wenn ich nur von außen zuschauen würde. Das löst in mir unterschiedlichste Gefühle aus, aber vor allem auch einen noch stärkeren Willen nach Bekämpfung jener Missstände.
"Wir brauchen eine funktionierende Gesellschaft und wir brauchen Menschen, die für die Demokratie aufstehen."
Ich strebe es an, für mich und die Zuschauer:innen aus den Gesprächen etwas mitzunehmen, was uns als Gesellschaft näher zusammenbringt: Verständnis. Wir alle denken doch in Schubladen. Manchmal sind unsere Vorurteile gerechtfertigt und manchmal nicht. Es lohnt sich oft in die Schublade hineinzuschauen und zu hinterfragen, warum eine Person sich so oder so äußert oder auf eine bestimmte Art handelt. Auch wenn reiche Menschen sich priviligiert äußern, steckt da in der Regel eine Geschichte dahinter. Durch Kommunikation können wir zusammenwachsen und Verständnis herbeiführen. Und das gilt auch für meine Gesprächspartner:innen. Oft kommen Protagonist:innen nach einem Drehtag auf mich zu und sagen: 'Danke, durch unser Gespräch heute habe ich noch einmal eine neue Perspektive auf die Thematik gewonnen und ganz anders auf meine eigene Situation geschaut.
Bist Du persönlich auch mit dem Schubladendenken und den Meinungen der Öffentlichkeit konfrontiert? Gerade über Social Media ist man dem heute sehr direkt ausgesetzt.
Häufig fordern Leute sehr viel von mir. Ich glaube, das liegt daran, dass ich mich mit kritischen und sozialen Themen beschäftige. Es gibt jene die fordern zum Beispiel, dass ich vegan leben müsse. Sie sagen: 'Hey, wenn du über Gerechtigkeit sprichst – was ist denn mit den Tieren?' Für mich ist es wichtig, mich von diesen Erwartungen abzugrenzen und nicht unter Druck setzen zu lassen. Ich muss für mich akzeptieren, dass ich nicht alles erfüllen kann. Ich bin ein Mensch und kann mich nicht jedem Problem widmen. An manchen Tagen fällt mir die Abgrenzung leicht. An anderen Tagen geht es mir sehr nahe und ich denke mehr darüber nach, als ich möchte.
Hast du Rituale oder Techniken, die dir helfen mit fordernden Situationen und Stress umzugehen?
Nicht nur auf Social Media, sondern auch am Set wollen häufig viele Leute gleichzeitig etwas von mir. Wenn ich mich in so einer Situation befinde, ist es oft gar nicht so einfach, sich herauszunehmen. Ich bin ja in der Regel bei der Arbeit und kann nicht spontan das Handy ausmachen und in den Urlaub fahren. Deshalb übe ich Achtsamkeit, die mir hilft, runterzukommen und meine Gedanken und Emotionen zu sortieren. Das Beste ist, die Situation für zwei Minuten komplett zu verlassen – geh' vor die Tür, auf die Toilette – was immer gerade möglich ist. Am liebsten gehe ich an die frische Luft. Rausgehen und atmen, das ist mein Tipp an alle, die häufig mit Stress konfrontiert sind.
Apropos herausnehmen: Immer mehr Menschen lesen oder sehen keine Nachrichten mehr an, weil ihnen die Belastung zu intensiv ist. Dürfen wir so egoistisch sein, uns nur noch auf unseren Mikrokosmos zu konzentrieren?
Verstehen kann ich diesen Impuls sehr gut. Auch ich sehne mich oft danach, mir Scheuklappen aufzusetzen und so zu tun als wäre alles super. Aber Probleme zu ignorieren hat noch nie zu deren Lösung beigetragen. Wir brauchen eine funktionierende Gesellschaft und wir brauchen Menschen, die für die Demokratie aufstehen. Die verstehen, dass es wichtig ist, nicht den Kopf in den Sand zu stecken und das Feld den anderen zu überlassen.
Wie nimmst du die Entwicklung unserer Gesellschaft aktuell wahr?
Ich glaube, seit Corona hat für uns ein neues gesellschaftliches Kapitel begonnen. Viele Leute sind unzufrieden und zeigen das auch. Und das ist verständlich. Einiges hat sich verändert: die wirtschaftliche Lage in Deutschland, die Inflation, Klimakrise, Kriege...Die bevorstehenden Wahlen machen mir ehrlich gesagt Sorgen. Ein wachsender Teil unserer Gesellschaft positioniert sich immer weiter rechts und ich glaube, dass es zu spät ist, das zu verhindern. Wir müssen wohl einen
Weg finden mit unseren unterschiedlichen Werten nebeneinander zu existieren. Auch, wenn ich gar nicht weiß, wie das funktionieren soll. Wir blicken gerade einer sehr ungewissen Zukunft entgegen. Da fällt es mir ehrlicherweise schwer, optimistisch zu bleiben.
"Glück sind für mich die kleinen Momente: Ich mag Achterbahnfahren, gutes Essen und Sonnenschein..."
Gibt es in dieser Zukunft Pläne, Projekte oder Visionen, die dich motivieren?
Das Leben bestmöglich leben und zufrieden sein. Ich wünsche mir einfach, dass es nicht noch mehr Krisen gibt, die die Unzufriedenheit der Menschen schüren.
Ist Zufriedenheit deine Definition von Glück?
Wenn ich zufrieden bin, bin ich auch glücklich. Aber mit dem Glück ist es so eine Sache. Es gibt auch Leute, die super privilegiert sind und sehr viel Glück haben in ihrer Situation und trotzdem sind sie unzufrieden. Ich glaube, Zufriedenheit kann man lernen. Glück ist für mich eher ein akutes Gefühl – wie Schmetterlinge im Bauch.
Und was macht dich glücklich?
Ich bin glücklich, einen gesunden Körper zu haben, mit dem ich Sport treiben kann. Ansonsten zählen für mich die kleinen Momente. Ich mag Achterbahnfahren, gutes Essen, Sonnenschein...
Kürzlich war ich Gast bei der Teddy Teclebrhan-Show. Außer mir waren da Max Here und Joy Denalane, Steven Gätjen, Patrice – ich stand neben den Held:innen meiner Kindheit und durfte mit ihnen arbeiten. In diesem Moment wollte ich heulen vor Glück.